Schmelzen und Scheiden im Juweliergeschäft buchen

Wer das Einschmelzen von Altgold sauber buchen will, behandelt jede Schmelze als zwei getrennte Vorgänge: Die eingeschmolzenen Teile gehen mit Gewicht und Feingehalt aus dem Bestand, der zurückkommende Barren geht mit eigenem Gewicht und geprüftem Feingehalt in den Bestand, und die Differenz, gerechnet in Feingold-Äquivalent, wird als Schmelzverlust gebucht. Ein reiner Gewichtsvergleich verfälscht das Bild von Lager und Ertrag.
In vielen Juweliergeschäften passiert das Schmelzen gewissermaßen außerhalb der Buchhaltung. Eine Tüte mit Bruchgold geht zur Scheideanstalt oder zum Schmelzer, einige Tage später kommt ein kleiner Barren zurück. Wird dazwischen nichts genau festgehalten, kann Gewicht unbemerkt verschwinden, und niemand weiß, warum. Dieser Beitrag behandelt weder den Ankauf von Altgold noch die Umrechnungsformel für Feingehalte; beides finden Sie in unseren Artikeln zum Altgoldankauf und zur Umrechnung von Goldlegierungen. Hier geht es um den Schmelzvorgang selbst: Vorbereitung der Partie, Buchung des Barrens, Auswertung des Schmelzverlusts, das Scheiden in Einzelteile und was eine Juwelier-Software dabei festhalten sollte.
Warum „verschwindet“ beim Schmelzen Gewicht?
Ein Schmelzverlust bedeutet nicht automatisch Fehler oder Diebstahl. Ein Teil geht technisch bedingt verloren, ein anderer durch ungenaue Erfassung. Beides auseinanderzuhalten ist der eigentliche Zweck der Schmelzbuchhaltung. Typische Ursachen, ganz allgemein:
- Fremdmaterial: Lot, Schmutz, Steinreste und Verschlüsse, die sich beim Schmelzen abtrennen.
- Legierungsmetalle: Ein Teil der unedlen Metalle geht bei hoher Temperatur verloren, was den Feingehalt des Ergebnisses verschieben kann.
- Abweichende Prüfungen: Der am Tresen geschätzte Feingehalt muss nicht mit dem geprüften Feingehalt des Barrens übereinstimmen.
- Menschliche Fehler: eine nicht nachgewogene Tüte, ein vorher aussortiertes, aber nicht erfasstes Teil, eine nicht justierte Waage.
Einen allgemein gültigen „zulässigen“ Verlust gibt es nicht; er hängt von Ware, Schmelzer und Verfahren ab. Bauen Sie deshalb eine eigene Historie auf.
Schmelzen und Scheiden: Was ist der Unterschied?
Schmelzen heißt: Mehrere Teile mit unterschiedlichem Gewicht und Feingehalt werden zu einem einheitlichen Barren. Scheiden im hier gemeinten Sinn heißt: Ein Artikel wird in Bestandteile zerlegt, etwa ein Set in Einzelstücke, oder Steine werden aus der Fassung gelöst. Gebucht wird beides gleich: Der Ausgangsartikel verlässt den Bestand mit seinen Daten, jedes entstehende Teil kommt mit eigener Artikelnummer, eigenem Gewicht und Feingehalt hinzu. Beim Schmelzen ändert sich meist der Feingehalt, beim Zerlegen meist nicht.
Schmelzverlust buchen: fünf Stationen einer kontrollierten Schmelze
- Sortieren: Verkäufliches aussortieren, den Rest nach ungefährem Feingehalt gruppieren. Stark unterschiedliche Legierungen gemeinsam zu schmelzen erschwert die Auswertung.
- Wiegen und verpacken: Jede Gruppe einzeln wiegen, die Schmelznummer auf die Tüte schreiben, möglichst im Vier-Augen-Prinzip.
- Ausgang buchen: Den Schmelzeinsatz mit Gewicht und Feingehalt je Gruppe erfassen, bevor die Tüte das Geschäft verlässt.
- Barren annehmen und prüfen: Den Barren nachwiegen und den geprüften Feingehalt übernehmen.
- Eingang buchen und vergleichen: Der Barren kommt mit eigener Nummer ins Lager; die Äquivalent-Differenz zwischen Einsatz und Ergebnis wird als Schmelzverlust gebucht.
Rechenbeispiel: Altgold aus 750er und 585er Gold einschmelzen
Angenommen (alle Zahlen fiktiv), drei Gruppen werden gemeinsam geschmolzen. Für einen fairen Vergleich ist jedes Gewicht in 750er-Äquivalent umgerechnet.
| Position | Gewicht (g) | Feingehalt | 750er-Äquivalent (g) |
|---|---|---|---|
| Ausgang: 750er Schmuckbruch | 18,000 | 750 | 18,000 |
| Ausgang: 585er Ringe und Ketten | 24,000 | 585 | 18,720 |
| Ausgang: 585er Bruch mit Lötstellen | 10,000 | 585 | 7,800 |
| Summe Ausgang | 52,000 | — | 44,520 |
| Eingang: Barren | 51,600 | 645 | 44,376 |
| Schmelzverlust | 0,400 | — | 0,144 |
Der Barren wiegt 0,400 g weniger, der Feingoldverlust beträgt aber nur 0,144 g 750er-Äquivalent: Ein Teil des fehlenden Gewichts war Legierungsmetall, und der Feingehalt des Barrens liegt über dem gewichteten Mittel des Einsatzes. Wer nur auf das Gewicht schaut, bewertet diese Schmelze zu schlecht. Bei einer anderen Schmelze kann es umgekehrt sein: Der Feingehalt sinkt, und der echte Verlust ist größer als die Gewichtsdifferenz. Verlässlich ist nur der Äquivalent-Vergleich.
Artikelstruktur für Altgold, Bruch und Barren
Bevor Schmelzen gebucht werden, sollte die Artikelstruktur die einzelnen Stufen des Goldes trennen. Wer „Bruch, der auf die Schmelze wartet“ und „fertigen Barren“ im selben Artikel führt, erhält einen Bestand, den niemand mehr deuten kann. Eine praxistaugliche Gliederung:
- Angekauftes Altgold: alles, was von Kunden kam und noch nicht zugeordnet ist.
- Zurück in die Vitrine: aussortierte Stücke, die unverändert verkäuflich sind.
- Bruch für die Schmelze: gewogene und verpackte Gruppen, jeweils mit Schmelznummer.
- Barren: jeder mit einer Nummer, die auf seine Schmelze verweist.
- Steine und Bestandteile: was beim Zerlegen herausgelöst wurde.
So lässt sich jederzeit ablesen, wie viel Gramm auf die Schmelze warten, wie viel unterwegs ist und wie viel als Barren zurückkam, ohne den Tresor zu öffnen.
Schmelzverlust auswerten: Wann sollte man genauer hinsehen?
- Gleiches mit Gleichem vergleichen: Gelöteter Schmuck verhält sich im Tiegel anders als alte Barren.
- Je Schmelzer getrennt auswerten: Wer mit mehreren Betrieben arbeitet, führt für jeden eine eigene Reihe.
- Auf Sprünge achten: Liegt der Verlust deutlich über der eigenen Historie, lohnt sich Nachwiegen, eine zweite Prüfung oder ein Blick auf die Buchungen.
- Auch negative Verluste ernst nehmen: Ist das Äquivalent des Barrens höher als das des Einsatzes, wurde der Feingehalt des Einsatzes vermutlich zu niedrig erfasst.
Der Schmelzverlust ist ein echter Aufwand des Geschäfts. Er gehört in die Gewinn- und Verlustrechnung und nicht versteckt in den Bestand.
Checkliste: Kontrolle beim Einschmelzen im Juweliergeschäft
- Jede Schmelze hat eine eindeutige Nummer, identisch auf Tüte und Buchung.
- Jede Gruppe wurde vor dem Versand zweimal gewogen und beide Werte notiert.
- Der Feingehalt des Einsatzes ist je Gruppe erfasst, auch wenn geschätzt, mit Angabe der Quelle.
- Der Barren ist mit geprüftem, nicht mit angenommenem Feingehalt gebucht.
- Der Verlust ist in Äquivalent berechnet und als eigene Position gebucht.
- Die Lagerkarte der abgegangenen Teile und des eingegangenen Barrens stimmt überein.
- Wer wiegt, gibt den Verlust nicht selbst frei.
Mehr zu Funktionstrennung und Änderungsprotokollen lesen Sie im Beitrag Betrugsprävention im Goldhandel.
Juwelier-Software für Schmelzen und Scheiden: Was Zaran erfasst
Zaran von P-Soft bietet laut Funktionsliste des Produkts für diesen Ablauf:
- Schmelzen und Scheiden mit genauer Erfassung von Einsatz und Ergebnis, ab dem Tarif Pro, ebenso in Elite.
- Automatische Umrechnung der Feingehalte in das Standard-Äquivalent sowie Preise pro Gramm und pro Mithqal, in allen drei Tarifen; die Äquivalent-Spalte oben entsteht nicht von Hand.
- Artikelanlage mit frei wählbarer Nummernsystematik in jedem Tarif, damit Barren, Schmuckbruch und Altgold eigene Gruppen und Nummern bekommen.
- Bestand und Lagerkarte (Kardex) sowie vollständige Finanzberichte wie Probebilanz und Gewinn und Verlust, ab Pro; jede Schmelze hinterlässt eine Spur auf der Lagerkarte.
- Anfangsbestand ab Pro, etwa wenn bereits Bruchgold im Tresor liegt.
- Vollständiges Änderungsprotokoll der Benutzer und automatische Markierung verdächtiger Rechnungen in Elite; wird eine Schmelzbuchung später geändert, bleibt das sichtbar.
Der Tarif Start deckt die Grundbuchhaltung eines Geschäfts ab und enthält kein Schmelzen und Scheiden. Filialverwaltung ist als „demnächst“ angekündigt. Zaran arbeitet auf Persisch mit iranischem Kalender und ist auf den iranischen Goldmarkt ausgerichtet. Alle Funktionen im Überblick: Zaran für Juweliere und Goldhändler.
Häufige Fehler beim Buchen von Schmelze und Zerlegung
- Gewicht überschreiben: Wer das alte Gewicht durch das Barrengewicht ersetzt, macht den Verlust dauerhaft unsichtbar.
- Erst nach Rückkehr buchen: Ohne vorab erfassten Einsatz fehlt der unabhängige Vergleichswert.
- Feingehalt raten: Der Feingehalt des Barrens muss geprüft sein und darf nicht einfach dem Mittel des Einsatzes entsprechen.
- Schmelzen zusammenlegen: Zwei Schmelzen in derselben Woche sind zwei getrennte Vorgänge.
- Zerlegung nicht erfassen: Auch das Herauslösen eines Steins muss gebucht werden, sonst passt die Lagerkarte nicht zur Vitrine.
Häufig gestellte Fragen
Wie berechnet man den Schmelzverlust bei Gold?
Das Standard-Äquivalent aller eingeschmolzenen Teile addieren und das Äquivalent des Barrens abziehen. Die Differenz ist der Verlust in Feingold gerechnet.
Warum reicht ein Gewichtsvergleich vor und nach dem Schmelzen nicht?
Weil der Feingehalt des Barrens meist vom mittleren Feingehalt des Einsatzes abweicht. Das Gewicht kann sinken, während der Feingehalt steigt, oder umgekehrt.
Mit welchem Feingehalt wird ein Barren gebucht?
Mit dem nach dem Schmelzen geprüften Feingehalt, nicht mit dem geschätzten Wert der Einzelteile.
In welchem Zaran-Tarif ist das Schmelzen enthalten?
In Pro und Elite. Die Umrechnung der Feingehalte gibt es in allen drei Tarifen, Lagerkarte und vollständige Finanzberichte ab Pro.
Wie hoch ist ein normaler Schmelzverlust?
Eine Zahl für alle gibt es nicht; sie hängt von Ware und Schmelzer ab. Der beste Maßstab ist die eigene dokumentierte Historie.
Einsatz und Ergebnis einer Schmelze, Feingehaltsumrechnung und Lagerkarte mit eigenen Artikeln testen: Zaran Juwelier-Software ansehen und eine Demo anfragen.
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